«Es war einmal ein Frosch, der wollte ein richtiger Frosch sein und richtete sein ganzes Streben danach, Tag für Tag… Zu guter Letzt ließ er sich sogar, bloß um für einen richtigen Frosch gehalten zu werden, die Schenkel ausreißen und vermochte gerade noch mit Bitterkeit zu hören, wie sie beim Essen sagten: Was für ein köstlicher Frosch! Fast wie Hühnchen.'" Augusto Monterrosos Texte sind voller Sarkasmus und Ironie.
Christian Steyer, Berliner Schauspieler, Komponist, Sänger und Pianist, hat sie entdeckt und ein Programm daraus gemacht, das den südamerikanischen Dichter auch für das Publikum von Jazz, Lyrik und Pros(a)cco in der Theaterklause Cottbus zur Entdeckung werden ließ. Da war jede Menge Hintersinn in Texten wie «Jedermann weiß, dass ich mich gelegentlich hinter dem Bösen verberge. Manchmal ist es umgekehrt, da versteckt sich das Böse hinter mir. ..» Oder: «In einem fremden Land gab es vor vielen Jahren ein schwarzes Schaf. Es wurde erschossen... »
Wunderbare Stimme
Und doch hatte der Abend seine Höhepunkte gerade dann, wenn Steyer sich ans Klavier setzte, eigene Kompositionen spielte und mit wunderbar weicher Stimme sang. Da klang das ganze musikalische Erbe aus der Neuvertonung von «Ich weiß nicht, was soll es bedeuten». Die Verehrung des Komponisten für Barock und Romantik, für Bach, Vivaldi, Scarlatti hat sich in Töne verwandelt.
Christian Steyer als Dichter geht es vor allem um den Klang der Worte. So ist «Hortu» entstanden. Das Lied begleitet den Helden des preisgekrönten Films «Zugvögel» von Peter Lichtefeld. Erzählt wird von Hannes, einem schüchternen Bierfahrer und Hobbyfahrplanexperten. Eines Tages lässt er sein tristes Leben hinter sich, um im nordfinnischen Ort Inari am ersten Wettbewerb für Eisenbahnexperten und Kursbuchverbindungen teilzunehmen. Er begibt sich auf eine schicksalhafte Zugreise in Richtung Polarkreis. Schließlich verliert Hannes den Wettbewerb, aber er findet die große Liebe.
Der Film entlässt den Zuschauer mit der Liedzeile.«Hortu, hortu, minäkamen hortu». Steyers Phantasietext klingt wie eine sehr alte Sprache. Er sage damit so viel wie «Geh hin zu deinem Ort», erklärt Steyer. im RUNDSCHAU-Gespräch. Das Lied drücke «eine Sehnsucht aus, die jeden Menschen betrifft, etwas einfach Fundamentales.» Deshalb können es auch keiner Sprache dieser Erde verfasst sein. Erst später sei dem Künstler die Verwandtschaft mit dem lateinischen Hortus für Garten klar geworden.
Steyer ist vor allem durch seine Filmrollen bekannt geworden. Mit Filmen wie «Die Legende von Paul und Paula», «Für die Liebe noch zu mager» oder «Der Traum vom Elch» ist eine ganze Generation hier zu Lande groß geworden. Dennoch stand für das Multitalent immer die Musik an erster Stelle. Steyer: «Ich mach alles sehr gerne. Aber wenn ich mich für eine Sache entscheiden müsste, würde ich nicht auf die Musik verzichten. Musik ist unkonkreter, sie umfasst mehr.» Das war wohl schon dem Kind Steyer klar, als es forsch verkündete: «Ich werde Mozart.»
Wie der Musikstudent dennoch zur Schauspielerei kam? Steyer hatte sich nicht auf sein Fach Klavier beschränkt, sondern bereits sehr erfolgreich an Chansonwettbewerben teilgenommen. Schließlich fragte ihn die Schauspielerin Thea Elster, ob er nicht in einer studentischen Studioinszenierung von «Die unheilige Elisabeth» den Apollo singen wolle. Steyer sagte Ja. Später, als das Musikstudium zu Ende ging und er keine Lust verspürte auf eine Anstellung als Korrepetitor oder Musiklehrer, erinnerte er sich seiner Begabung.
Hippie vom Dienst
Es folgte ein weiteres Studium: an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst. In DEFA-Produktionen war der junge kraushaarige Darsteller der «Hippie vom Dienst». Als Keyboarder von Frank Schöbels Band «etc» gewann er zusätzlich Popularität. «Das hab ich nur drei Jahre gemacht, von 1975 bis 78», sagt der Musiker über diese Zeit. «Ich wollte einfach reisen und mir im Westen ein paar ordentliche Instrumente kaufen.»
Derzeit arbeitet der Komponist und Pianist an einer «CD mit Klavier-Stücken». Außerdem ist eine CD mit Weihnachtsliedern in Arbeit, aufgenommen mit dem Jazz-Chor der Hochschule für Musik «Hanns Eisler». Für das ZDF hat der Schauspieler gerade die Arbeit an einem kleinen Fernsehspiel abgeschlossen. Sein Titel «Nicht Fisch, nicht Fleisch». Ansonsten sei sein Terminkalender derzeit nicht allzu sehr gefüllt. Steyer: «Aber das wird wieder».