Pressespiegel

Sympathische Stimmen bezaubern das Publikum

Rundum gelungener Abend im Club Ebene Eins

Rheinpfalz 29.08.2008 Wort: – Bild: Günter Linke

Die Erwartungen waren groß und sie wurden voll erfüllt. Christian Steyer, die Stimme von Elefant, Tiger & Co., der Fernsehserie aus dem Leipziger Zoo, kam auf Einladung des Clubs Ebene Eins nach Schifferstadt in die «Scheune» und zog die Zuhörer dank seiner Vortragskunst mit eigenen Gedichten und solchen von Erich Kästner sofort in seinen Bann.

Und noch einer zweiten Stimme konnte man an diesem Abend lauschen: Die Sängerin Almut Kühne beschränkte sich zwar im ersten Teil, als Steyer tiefsinnig-hintergründige Tiergedichte vortrug, auf eine lautmalerische Interpretation der Texte, später mit Kästner-Gedichten drehte sie aber voll auf. Dritter im Bund der Stimmen war ein Flügel, dem Kühne zu den Steyer-Gedichten mit Klöppeln und allerlei Klavier-fremdem Werkzeug tierisch interessante Geräusche entlockte.

Wie Christian Steyer, der sich auch als Verfasser von Filmmusiken einen Namen machte, in einem Interview auf der Frankfurter Buchmesse verriet, lagerten seine Gedichte schon mehrere Jahre im Schreibtisch, ehe er sich entschloss, sie unter dem Titel «Vom kleinen Storch der Vater» zu veröffentlichen. Ihre Entstehung hat also mit seiner Sprecherrolle in der Fernsehserie nichts zu tun. Aber natürlich passte der Zeitpunkt optimal, denn die nötige mediale Aufmerksamkeit dafür war nun gegeben. Als Bonus ist dem kleinen Buch eine vom Autor besprochene CD beigegeben, an der auch Almut Kühne musizierend beteiligt ist. Die Geschichten vom Adler und dem Radler, dem Fisch, der nicht am Tisch sitzen will, dem munter balzenden Auerhahn oder dem Erde fressenden Regenwurm lösten Schmunzeln und Kichern aus. Bei der Ballade vom schlauen Fuchs hingegen, der meistens viele reingelegt und danach noch gebissen habe, schwoll das Raunen des Schifferstadter Publikums zum lauten Lachen an.

Christian Steyers sympathische Märchenonkelstimme passt gut zu den Texten, den eigenen und denen von Erlch Kästner. Beide sind Moralisten, ohne moralinsauer zu sein, beide leben von einem feinen, subtilen Witz, Auf minimalistische Art – mit kunstvollen Sprechpausen und ruhigem Erzählfluss – erzeugt Steyer viel Spannung. Selbst sarkastisch bis melancholische Gedichte Kästners, die Kritik an der Gesellschaft üben oder Partnerschaftsprobleme beschreiben, versieht er mit einem versöhnlichen Unterton. In diesem zweiten Teil des Abends rückte Almut Kühne stärker in en Vordergrund. denn einige der Kästner-Balladen sind vertont, von Christian Steyer selbst, aber auch von Kurt Weill und anderen. Sehr virtuos, klug artikulierend und mit einer wandlungsfähigen Stimme begabt, hätte man sich bei Kästner von ihr zuweilen etwas mehr Volumen gewünscht. Das machte sie aber durch ihre große musikalische Bandbreite vom Chanson bis zur Jazzballade wett. Insgesamt ein Abend, dessen Akteure zu Recht von einer begeisterten Zuhörerschaft gefeiert wurden.